Ortsgeschichte

Dorfkapelle (erbaut 1865)
Dorfkapelle (erbaut 1865)

Im östlichen Zipfel des Westerwaldkreises liegt die Gemeinde Weroth, die ihre Entstehung und ihren Namen einer von einem Wero oder Wericho durchgeführten Rodung zur Gewinnung von Ackerland verdankt. Wann und in wessen Auftrag die Rodung vorgenommen wurde, ist nicht bekannt. Die nachgewiesene Zugehörigkeit der alten Siedlung zur Grundherrschaft Meudt, die auf den Grafen Konrad Kurzbold von Limburg (+ 948) zurückgeführt werden kann, lässt auf ein hohes Alter der Siedlung schließen und sie in jene „rod“-Orte einreihen, die schon vor dem 12 Jahrhundert entstanden sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Gebiet um Weroth bereits früher besiedelt war, wie die in der „ Mark“ gefundene Urne aus der Urnenfeldzeit (1200-800 n.Chr.) und die Scherbenfunde aus der Latènezeit (400-150 n.Chr.) belegen. Es erscheint sinnvoll, die Geschichte des Dorfes in chronologischer Reihe aufzulisten, da die vorliegenden Unterlagen sehr umfangreich sind und den Rahmen unserer Präsentation sprengen würden.

1322 Erste urkundliche Erwähnung. In dieser Urkunde anerkennt Gerlach, Herr zu Limburg, den „Zehnten“ von „Werode“ als „Lehen“ des Erzbischofs von Trier.
1329 Der erste urkundlich erwähnte Einwohner von Weroth war ein Conradus von Werroide, der als Zeuge bei einem Vermächtnis der Steinefrenzer Schwestern an das Kloster Marienstatt mitwirkte.
1525 Ein Salbuch beschreibt die damalige Dorfgemarkung, die bis heute fast unverändert geblieben ist. Die damalige Einwohnerliste lässt auf 12 Familien schließen, von denen die Namen Bendel, Hannappel und Malm noch heute vorkommen.
1564 Nach dem Aussterben der ehemaligen Landesherren von Diez, teilten sich die Grafen von Nassau-Dillenburg, der Landgraf von Hessen und der Trierer Kurfürst die Herrschaft, bis der Diezer Teilungsvertrag dem Kurfürst die alleinige Herrschaft über die Westerwälder Kirchspiele Hundsangen, zu dem Weroth gehörte, Meudt, Nentershausen und Salz zusprach.
1589 Die Einwohnerlisteenthält 11 Namen. Offensichtlich handelt es sich um Familien- oberhäupter. An der Spitze der Liste wird Thonges, der Heimberger des Dorfes erwähnt, der die dörflichen Geschäfte im Auftrag des Kurfürsten führte.
1657 Der Kurfürst Kaspar von Trier überträgt  den Zehnten von Weroth an die damaligen Freiherren von Walldersdorff zu Molsberg.
1768 Am Vorabend der französischen Revolution  sind 24 Familien in 22 Häusern registriert. Den Gemeindevorstand bilden der Bürgermeister, der Heimberger, vier Schützen und drei  Feldgeschworene (Ortsgericht).
1803 Nachdem  in der großen Säkularisation der Trierer Kurfürst untergegangen war, kam Weroth mit den übrigen rechtsrheinischen Besitzungen des Trierer Landes an das Herzogtum Nassau.
1843 Die Preußen rücken heran. Es herrscht große Angst im Dorf, denn in deren Gefolge soll angeblich viel Gesindel gewesen sein, worunter die Bevölkerung sehr zu leiden hatte.
1864 Die Gemeinde baut sich eine Kapelle, die sie dem heiligen Sebastian weiht. Vorangegangen war eine Typhusepidemie, bei der  der heilige Sebastian, seit Jahrhunderten  Pestpatron von Hundsangen sehr verehrt wurde.
1869 Das Dorf erhält einen eigenen Lehrer und eine Schule. Im 18.Jahrhundert besuchten die Werother Kinder im Winter die Pfarrschule in Hundsangen, danach die mit Unterstützung der hiesigen Gemeinde erbaute Schule in Steinefrenz.
1870 Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges. Während des Krieges wurde ein Mitglied der Gemeinde getötet.
1898 Steinefrenz erhielt einen Geistlichen, der auch Weroth zu betreuen hatte.
1900 Offizielles Gründungsjahr des Männergesangvereins „Frohe Stunde Weroth„ Gemeinsame gesangliche Aktivitäten reichen jedoch bis ins Jahr 1871 zurück.
1919 Der Sportverein 1919 Weroth wird  gegründet. 1922 wird der Sportplatz angelegt.
1914-1918 Erster Weltkrieg: Hier fielen neun Männer der Gemeinde Weroth.
1939-1945 Zweiter Weltkrieg. 19 Söhne des Dorfes verloren ihr Leben. Außerdem wurde eine Frau im Ort getötet.
1952 Gründung der Spielvereinigung Steinefrenz Weroth, aus den Vereinen „Sportverein 1919 Weroth“  und dem „Sportverein 1920 Steinefrenz.“
1962 Unter erheblichen finanziellen Opfern erbaut die Gemeinde eine neue Volksschule. Die Volksschule dient heute als Grundschule.
1965 Gründung der “Freiwilligen Feuerwehr Weroth.”
1969 Unter dem Dach der Spielvereinigung Steinefrenz-Weroth etabliert sich die Frauengymnastik-Gruppe Weroth. An der L 317  wird ein Industriegebiet ausgewiesen.
1970  Im neu ausgewiesenen Industriegebiet entstehen die Wick-Werke, die dem Ort viele Arbeitsplätze brachten.
1971 Als 7 Jugendfeuerwehr des Westerwaldkreises und als 1 Jugendwehr der Verbandsgemeinde wird im Mai die Jugendfeuerwehr Weroth gegründet.
1979 Die neue Sportanlage in Weroth mit Sportlerheim wird eingeweiht.
1987 Der Tennisclub Steinefrenz Weroth wird als Abteilung der Spielvereinigung gegründet und  1988 die Tennisanlage gebaut. Mit der Errichtung der Blockhütte 1993 wird die Anlage komplettiert.
1998 Einweihung des neu erbauten Bürgerhauses mit Turnhalle. Damit erhielt Weroth einen neuen Mittelpunkt in dem auch der Sitz des Ortsbürgermeisters ist. Das Haus beherbergt auch in einem Anbau die Freiwillige Feuerwehr.
2000-2001 Weitere Betriebe werden im Industriegebiet  an der L317 angesiedelt. Der Kinderspielplatz am Bürgerhaus wurde neu gestaltet.

Einwohnerentwicklung

1525 ca. 60 Einwohner
1589 ca. 55 Einwohner
1786    120 Einwohner
1871     250 Einwohner
1939     315 Einwohner
1950     373 Einwohner
1961     389 Einwohner
1968     455 Einwohner
1989     509 Einwohner
2001     639 Einwohner
2002    662 Einwohner
2003    647 Einwohner
2005    654 Einwohner
2006    668 Einwohner
2010    650 Einwohner
2011    625 Einwohner (nach Zensus 2011)
2013   607 Einwohner (stat. Bundesamt 31.12.2013)

Heimberger in Weroth (führte die örtlichen Dorfgeschäfte im Namen des Kurfürsten)

1589  Thonges
1660  Johann Hannappel
1694 bis 1723  Lenhard Schneider
1694 bis 1723  Görg Schneider
bis 1768  Johann Georg Blaum
bis 1792  Heinrich Bendel
1802 bis 1803  Heinrich Eidt

 

Bürgermeister
1926 bis 1935   Johann Egenolf
1936 bis 1945   Alois Kaiser
1945 bis 1957   Johann Eidt
1957 bis 1964   Alois Kaiser
1964 bis 1979   Franziskus Malm
1979 bis 1989   Eduard Hannappel
1989 bis 1999   Johannes Hannappel
1999 bis 2014   Frank Reusch
2014 bis jetzt    Achim Kremer

Die Angaben können nur insoweit vollständig sein, wie Unterlagen vorhanden sind und die uns vorliegenden Angaben verwendbar waren. Um eine Vervollständigung wird sich weiter bemüht.


Verfasser: Horst Reusch
Bearbeitung: Christian Müller
Quellenangaben: „Weroth“ von Albert Reusch 1968 „Aus der Vergangenheit und der Gegenwart unseres Dorfes“ von Erich Hannappel 1975